Altposaune

Der frühe Unterricht auf der Posaune

Josef Gebker

 

Wer kennt das nicht als Posaunenlehrer? Kinder aus der musikalischen Früherziehung kommen zur Musikschule und wollen Posaune lernen.

Der übliche Anfangsunterricht auf einer Tenorposaune, für den auch die gängigen Posaunenschulen konzipiert sind, kommt in diesen Fällen nicht in Frage: Das Instrument ist einfach zu groß für 5- bis 6jährige Kinder.

Oft werden diese Kinder dann auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet, ihnen wird eine Zwischenlösung (z.B. Blockflöte oder Trompete) vorgeschlagen und – oft wechseln sie dann nach 3 Jahren, wenn sie „groß genug für die Posaune“ sind, doch nicht mehr zu Ihrem Erstwunsch-Instrument.

Deshalb müssen sich PosaunenlehrerInnen Gedanken machen, wie Sie auch die 5- 6jährigen schon an das schönste aller Instrumente binden können.

 

Ich arbeite seit 6 Jahren mit Altposaunen und möchte verschiedene Überlegungen und Erfahrungen mitteilen. Es geht dabei nicht um eine umfassende Darstellung, sondern um Anregungen. Schön wäre es auch, wenn weitere Berichte als Kontrast oder aber als Bestätigung von euch eingehen würden.

 

Zwei grundsätzliche Themen müssen neu bedacht werden, wenn man in den Anfangsunterricht mit der Altposaune einsteigen möchte:

  • Die Kinder sind in einer anderen Entwicklungsphase, sie haben ein anderes Lernverhalten und brauchen eine andere Pädagogik als die Kinder, die im dritten oder vierten Grundschuljahr mit dem Instrumentalunterricht beginnen.
  • Das Instrument ist ein anderes, es ist z.B. anders gestimmt, die Notation muss bedacht werden und auch die Möglichkeiten, es im Zusammenspiel einzusetzen
  • zu 1)

    Beschäftigt man sich mit Unterricht, so sind vorab Grundfragen der Methodenanalyse bezogen auf die Unterrichtsmethode anzustellen. Die Kinder können z.B: noch nicht lesen und müssen auch körperlich auch noch viele Entwicklungen vollziehen, damit aus Ihnen Posaunenspieler und –spielerinnen werden können (Zahnwechsel, Stütze, Ansatz...)

     

    Die Methodenanalyse möchte ich an dieser Stelle nur stichwortartig auflisten, da es sonst den Rahmen sprengen würde.

    Nach meiner Meinung müssen wir folgende Fragen klären

    • Abhängigkeit der Unterrichtsmethode von der Zielsetzung
    • Die Großgliederung des Unterrichts
    • Die Gliederung einer Unterrichtseinheit
    • Sozialform des Unterrichts
    • Aktionsformen des Lehrenden und Lernakte des Schülers
    • Technische und Organisatorische Voraussetzungen des Unterrichts
  • Diese Überlegungen haben Konsequenzen für unseren frühinstrumentalen Unterricht. Viele dieser Elemente kann ich nur in gewissen Zusammenhängen organisieren. So brauche ich für viele Übungen und Lernphasen eine kleine Gruppe, die spielerisch improvisieren und alles Mögliche ausprobieren kann.

    zu 2)

    Es gibt hier zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze, die eng mit der Wahl eines Unterrichtswerkes bzw. anderen Unterrichtsmaterials zusammenhängen und die die Frage der Notation betreffen:

    Unterrichtet man mit Noten, die im Altschlüssel oder im Bassschlüssel notiert sind?

     

    Es gibt eine Altposaunenschule für Kinder von Ursel Schardinel. Dieses Lehrwerk ist m.E. sehr gut strukturiert und kann klasse eingesetzt werden. Die Entscheidung für dieses Werk beinhaltet aber auch eine Entscheidung für den Altschlüssel, da von Anfang an mit diesem Schlüssel gearbeitet wird.

    Die zweite Möglichkeit wäre eine Posaunenschule umzuschreiben, die für eine Tenorposaune geschrieben wurde. Das Problem bei einer traditionellen Posaunenschule ist der Bezug auf die Grundstimmung des Instrumentes in B. Die Altposaune ist aber in Es gestimmt, so dass die üblichen Schulen eine Quarte zu tief stehen. Ich habe die Posaunenschule „Posaunino“ entsprechend nach Es transponiert und arbeite mit diesem Werk.

     

    Der entscheidende Grund, im Bassschlüssel anzufangen, ist für mich die Tatsache, dass ich diese Schüler nun auch mit anderen Blechbläsern zusammenführen kann ohne alle Noten umschreiben zu müssen. Das Gemeinschaftserlebnis für die jungen Schüler ist nicht zu unterschätzen und bis eine einzelne Posaune „klingt“ vergehen doch oft Jahre. In der Gemeinschaft mit Trompeten und Hörner erleben und Erfahren sie aber positive Unterstützung ohne die die ersten Jahre ganz schwer werden. Meine Erfahrung hat bis jetzt gezeigt, dass immer dann, wenn mehrere Kinder mit der Posaune anfangen und diese in eine Spielgruppe zusätzlich integriert werden, die Abbruchquote sehr gering ist. Im Falle von ausschließlichem Einzelunterricht der Unterricht sehr mühsam und oft auch nach ein bis zwei Jahren zum Abbruch führt.

     

     

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